10.11.2025
Strategie gegen Antisemitismus 2.0 – 49 konkrete Maßnahmen in 8 Handlungsfeldern (2025–2030)
Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Österreich durchschnittlich mindestens vier antisemitische Vorfälle pro Tag dokumentiert. Trotz verschiedener Initiativen besteht das Risiko, dass der Kampf gegen Antisemitismus an Wirkung verliert. Die Strategie gegen Antisemitismus 2.0 bildet dabei einen zentralen Pfeiler, um gegen Antisemitismus vorzugehen.

Seit den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober 2023 zeigt sich europaweit und somit auch in Österreich ein offener, aggressiver und digital verstärkter Antisemitismus. Die Nationale Strategie gegen Antisemitismus 2.0 reagiert darauf. Sie baut auf der ersten Strategie auf und setzt neue Schwerpunkte, indem sie klare Verantwortlichkeiten definiert und die Dringlichkeit ihres Handelns erhöht.
Neben politischen Maßnahmen geht es um grundlegendes gesellschaftliches Verständnis. Den Umgang mit Geschichte, die Ableitung von Verantwortung und das Verständnis, dass Sicherheit und Freiheit zusammenhängen. Die Erinnerung ist in diesem Sinne eine Orientierung für zukünftiges Handeln. Ziel der Strategie ist es, ein gesellschaftliches Umfeld zu schaffen, in dem jüdisches Leben sicher ist.
Prävention als zentraler Ansatzpunkt
Die Formen von Antisemitismus können sich zwar in ihrer Ausgestaltung unterscheiden, jedoch haben sie einen gemeinsamen Ursprung: Hass. Die zentrale Bedeutung liegt daher in der Prävention, insbesondere dort, wo Unwissenheit entsteht oder Desinformation verbreitet wird. Österreich übernimmt Verantwortung und schafft aktiv Bedingungen, die jüdisches Leben schützt.
Weiterentwicklung zur Nationalen Strategie 2.0
Die „Nationale Strategie gegen Antisemitismus 2.0“ (NAS 2.0) ist die Weiterentwicklung der 2021 erstmals vorgestellten Strategie und umfasst den Zeitraum 2025–2030. Getragen wird sie von allen drei Regierungsparteien und baut auf der engen Partnerschaft mit den Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich. Die NAS 2.0 bekräftigt ein dauerhaftes Engagement gegen jede Form von Judenhass und steht für ein parteiübergreifendes Versprechen: Antisemitismus hat in Österreich keinen Platz – nicht in Worten, nicht in Taten und nicht im Schweigen.
Maßnahmen
Die NAS 2.0 bündelt ressortübergreifend 49 konkrete Maßnahmen in acht Handlungsfeldern – von Bildung und Integration über Sicherheit bis zu Medien und Forschung – und hat drei „Leuchtturm-Maßnahmen“ definiert.
Handlungsfelder
- Sicherheit & Strafverfolgung – Schutz jüdischer Einrichtungen, konsequente Erfassung und Ahndung antisemitischer Straftaten
- Bildung & Resilienz – verpflichtende Präventionsmodule in Schulen und Lehramtsausbildung
- Digitales & Medien – Kampf gegen Hass im Netz, Förderung technischer Lösungen und kritischer Medienkompetenz
- Integration & Dialog – Wertevermittlung in Integrationskursen, Einbindung religiöser und zivilgesellschaftlicher Partner
- Erinnerung & Kultur – Ausbau von Gedenkinitiativen, Start eines Prüfprozesses für ein "Österreichisches Holocaust-Museum"
- Forschung & Dokumentation – neue Datenerfassung, wissenschaftliche Analysen zu Antisemitismus in Österreich
- EU & Internationales – aktive Rolle Österreichs in der EU, IHRA und internationalen Gremien
- Gesellschaft & Sport – Maßnahmen gegen Diskriminierung in Vereinen und Organisationen
„Leuchtturm-Maßnahmen“
- „Erklärung gegen Antisemitismus“ in Integrationskursen:
- Jeder Teilnehmende bekennt sich aktiv zu den Grundwerten der Republik.
- Automatisierte Systeme gegen Hate Speech:
- Förderung KI-gestützter Werkzeuge zur Erkennung antisemitischer Inhalte im Internet
- Prüfprozess für ein „Österreichisches Holocaust-Museum“:
- als Ort der Erinnerung, Forschung und Bildung für kommende Generationen